27. Bönener Lauf "Rund um Flierich" am 8. Januar 2012 |
Westfälischer Anzeiger vom 9. Januar 2012
Taye pulverisiert StreckenrekordÄthioier bricht 22 Jahre alte Bestmarke - Rötger siegt bei Frauen - Fast 600 Teilnehmer
Nicht der Marokkaner Rachid Soufi, nicht Roland Steinmetz und auch nicht Sven Serke gewann gestern den 27. Volksund Straßenlauf „Rund um Flie-rich". Der Sieger heißt Damte Kaushu Taye. Der Äthiopier lief die zehn Kilometer in einem neuen Streckenrekord von 29:35 Minuten. Er war damit über vier Minuten schneller als der Zweite Andreas Beulertz von der LG Hamm (33:48). Lokalmatador und Titelverteidiger Serke lief noch 39 Sekunden später ins Ziel (34:27 Min.). Schnellste Frau war Steffi Rötger aus Bochum (37:54 Min.).
„Eigentlich kann ich mich ja als Sieger fühlen", sagte Beulertz nach dem Rennen. In der Tat, denn der Äthiopier Taye lief in einer in Flierich noch nicht gesehenen Liga. Das ahnten Beulertz und Serke bereits vor dem Start mit insgesamt 584 Läufern und Walkern an der Ermelingschule. „Taye ist beim Silvesterlauf in Trier eine 22er Zeit über acht Kilometer gelaufen", wusste Dirk Pfeffer von den Lauffreunden Bönen. Der gemeldete Soufi trat gestern nicht an.
Taye ist Profi. Er befindet sich derzeit auf Winter-Tour durch Europa. „Am nächsten Wochenende startet er bei einem mit Top-Leuten besetzten Crosslauf in Belgien - der Lauf hier passte gut ins Trainingsprogramm", sagte sein Trainer und Manager Brahim Chalgoum, der durchaus zufrieden war mit einer Kilometerzeit seines Schützlings von 2:57 Minuten. Mit einem fulminanten Endspurt über die Schlussgerade der Ermelingstraße pulverisierte der Afrikaner den 22 Jahre alten Streckenrekord von Malcolm Edwards (30:18 Min.).
„Ich habe den Kontakt zu ihm schon nach einigen hundert Metern verloren", sagte Beulertz, „nach zwei Kilometern bin auch ich dann alleine gelaufen." Dabei konnten sich sowohl seine Endzeit als auch die von Serke sehen lassen. Überhaupt war das Rennen des Vorderfeldes eines der schnellsten der letzten Jahre. Bis zum neunten Platz von Torsten Lehmköster (36:47 Min.) blieben die Läufer unter der 37-Minuten-Grenze. Schnellster Bönener neben Serke war Ingo Hanke mit ebenfalls guten 38:03 Minuten.
„Ich bin froh, dass ich ohne Schmerzen ins Ziel gekommen bin. Die Achillessehne scheint nicht gereizt zu sein", war Serke nicht unzufrieden. Der Vorjahressieger gab zu, am Ende „echt ausgepowert" gewesen zu sein. „Nach acht Kilometern war die Luft raus", so Serke, „und an Andreas Beulertz komme ich momentan nicht ran." Immerhin hat Serke Hoffnung, dass dieses Jahr besser läuft als das von hartnäckigen Verletzungen geprägte vergangene: „Ich setze mich jetzt mit Dirk Pfeffer zusammen und, erarbeite einen Trainingsplan."
Der frühere Seriensieger und im vergangenen Jahr wegen Grippe fehlende Roland Steinmetz, der in 35:08 Minuten als Vierter einlief, war ebenfalls nicht unzufrieden: „Der vierte, der ja eigentlich der dritte Platz ist, ist für mich in Ordnung. Ich habe vielleicht auch zuviel gemacht diese Woche", begründete er die Diskrepanz zwischen schnellen 33:23 Minuten beim Silvesterlauf in Herne und seiner fast zwei Minuten langsameren Zeit in Flierich.
Groß wie bei den Männern war der Zeitunterschied auch bei den Frauen: Steffi Rötger (37:54 Min.) distanzierte die für LG Sehweite startende lsabel Hafenmayer (41:04 Min.) um mehr als drei Minuten. Marit Bergmann (Laufteam Unna), durch die Aufgabe von Vorjahressiegerin Melanie Kionka eine Mitfavoritin, wurde Dritte in 41:10 Minuten.
Splitter vom Streckenrand
Echter Profi: Eine Art Wintertour absolviert Flierich-Sieger Damte Kuashu Taye. „Er bleibt noch bis zum 16. Februar hier bei mir in Deutschland", erklärte Manager und Trainer Brahim Chalgoum. Der 24-jährige Äthiopier läuft hier einige gut dotierte Cross-Rennen gegen Topleute, kehrt nach Afrika zurück, um dann im Sommer die großen Straßenläufe abzuklappern. Seine Bestzeit über zehn Kilometer liegt bei 28:01 Minuten, den Halbmarathon schafft er in 1:01:35 Stunden.
Hobbyläuferin: „Ich bin eine ganz normale Läuferin, keine Leistungssportlerin, und laufe eigentlich nur, wenn's warm ist". Das sagte nach dem Zieleinlauf keine Geringere als Überraschungssiegerin Steffi Rötger. Einem Verein gehört sie nicht an. Ihre Bestzeit über zehn Kilometer kann sich mit 35:44 Minuten aber durchaus sehen lassen. Die Bochumerin feierte gestern in Flierich neben dem Sieg auch noch ihren 40. Geburtstag. Nach dem Lauf gab es deswegen auch ein Glas Rotwein nach dem obligatorischen Zitronentee.
Regeneration: Mit seinem mobilen Massage-Team lockerte Lauffreund Stefan Deimann nicht nur die Muskeln der Sportler nach dem Lauf. Er sammelte zudem Spenden für die Jugendabteilung der Bönener.
„Heilige Uhr": Andreas Grabietz vertrat gestern Manfred Engel am Zielkanal. „Manni ist verhindert. Ich glaube, das erste Mal seit vielen Jahren. Und ich durfte seine heilige Stoppuhr übernehmen."
Erster Schuss: „So ein anspruchsvolles Feld loszuschicken, ist schon etwas besonderes", sagte Lauffreundevorsitzender Jochen von Glahn zum Debüt an der Startpistole. Im vergangenen Jahr fehlte von Glahn krankheitsbedingt.
Schnelle Handballer: Acht B-Junioren des RSV Altenbögge gingen gestern auf die Strecke. Alle acht reihten sich hintereinander in der Altersklasse U18 ein. Alle blieben unter 50 Minuten. Erster wurde Sebastian Supenkamp vor Lukas Florian und Ivan Kostukov. „Ich hab sogar einen Pokal gekriegt", freute sich Supenkamp. Es war sein erster überhaupt. Die Sportart wechseln will er deswegen aber nicht.
Glücksnummer: Die Startnummer 500 bekam Christel Schulze Froning. Die Frau der Sprintschnecken Weme freute sich über diese „Glücksnummer". Ins Ziel kam sie bei ihrem ersten Start ebenfalls recht glatt - in einer Zeit von 51:07 Minuten - als 250.
Altersklassenwechsel: Lauffreund Walter Teumert, mit Johannes Grasse der Teilnehmer, der alle 27 Läufe mitgemacht hat, startete gestern erstmals in der M 60. Er wurde hier in 49:50 Minuten nur Zehnter: „Aber ich bin unter 50 Minuten geblieben", freute er sich.
Trainingsrückstand: Katrin Walter hat zwei gute Gründe für ihr Abschneiden „unter ferner liefen." Einer hat vier, der andere zwei Beine. „Ich habe ein neues Pferd, und Sohn Dominik macht viel Quatsch", erklärte sie ihren Trainingsrückstand.
Verzicht: Sven Serke lässt das Jahr ruhig angehen. Er verzichtet auf die Teilnahme an der Hammer Serie und konzentriert sich auf eine Indoor-Trail-Veranstaltung, einer Art Crosslauf, vom 3. bis zum 5. Februar in den Dortmunder Westfalenhallen.
Kenner: „Ich bin schon beim Silvesterlauf in Herne hinter einer äthiopischen Frau hergelaufen", sagte der' sechsfache Flierich-Sieger Roland Steinmetz. Ihren Landsmann Taye verlor der Vierte gestern ebenso schnell aus den Augen wie der Rest der Konkurrenz.
Familienausflug: Der erste Weg nach der Rückkehr aus dem Ski-Urlaub führte Silke, Carsten und Michelle Kluge zur Ermelingschule. „Wir konnten Michelle die Teilnahme nicht ausreden, obwohl sie erkältet ist."
Aufgabe: Vorjahressiegerin Melanie Kionka war nicht vorgemeldet, kam aber doch noch. Das Ziel erreichte sie nicht. „Ich laufe nach Verletzung und dadurch bedingtem Trainingsrückstand quasi außer Konkurrenz", sagte sie. Sie gab das Rennen nach einer Viertelstunde auf.
Westfälische Rundschau vom 9. Januar 2012
Spitzenläufer aus Afrika zeigt sich der Konkurrenz stark überlegenStreckenrekord pulverisiert
Schon einige Sekunden nach dem Startschuss zur 27. Auflage des Volkslaufes „Rund um Flierich" war klar, das Vorjahressieger Sven Serke seinen Titel nicht würde verteidigen können. Spitzenathlet Damte Kaushu Taye lief vom Start weg ein einsames Rennen. Schon nach wenigen hundert Metern klaffte eine große Lücke zum übrigen Starterfeld.
„Unser Ziel war die Einstellung des Streckenrekordes", betonte Tayes Trainer und Manager, ebenfalls Profiläufer, Brahim Chalgoum aus Marokko. Sein Schützling erfüllte die gestellte Aufgabe souverän. In einer Zeit von 29:35 Minuten pulverisierte Taye den bis dahin bestehenden Streckenrekord von Malcolm Edwards, aufgestellt im Jahr 1990. „Die hügelige Strecke ist nicht einfach zu laufen, insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit der Veranstaltung und kommen, wenn es passt, im nächsten Jahr gerne wieder", betonte Tayes Manager.
Tayes Bestzeit über zehn Kilometer liegt bei 28:01 Minuten, in den nächsten Wochen wird er bei Läufen in Belgien und Luxemburg starten. Der im Vorfeld angekündigte Spitzenläufer Rachid Soufi aus Marokko war nicht am Start.
Rund vier Minuten nach dem Ausnahmeläufer aus Afrika wurde Andreas Beulertz von der LG Hamm von den zahlreichen Zuschauern im Ziel begrüßt, kurze Zeit später überquerte Sven Serke die Ziellinie. „Die Strecke ist schon eine echte Herausforderung. Derzeit bin ich aber in guter Form und muss mich daher mit meiner Zeit nicht verstecken", freute sich Beulertz über den zweiten Platz.
An einen möglichen Sieg dachte er genauso wie Sven Serke zu keiner Sekunde. „An einen ersten Platz war nicht zu denken, das ist eine ganz andere Liga. Selbst als Profi, der sich nur auf seinen Sport konzentrieren kann, würde ich an solche Zeiten nicht herankommen", so Serke über den Sieger Taye. „Derzeit bin ich nicht in Topform. Dass ich weitestgehend alleine auf der Strecke war, macht es natürlich nicht einfacher", so der Vorjahressieger. Der sechsmalige Gewinner von „Rund um Flierich", Roland Steinmetz, wurde Vierter und ergänzte ein Starterfeld auf hohem Niveau.
Bei den Damen gewann die Bochumerin Steffi Rötger in 37:54 Minuten. An ihrem 40. Geburtstag sicherte sich die Hobbyläuferin den ersten Platz. „Der Anstieg nach rund vier Kilometern war für mich persönlich kein Problem. Ich mag hügelige Strecken sehr gerne". An einem auf der Strecke liegenden Bauernhof verlor Rötger kurz die Orientierung. „Auf einmal stand ich im Stall", lachte die Siegerin, die erstmals bei „Rund um Flierich" an den Start ging über ihren kurzen Irrlauf.
Vorjahressiegerin Melitta Kionka absolvierte ebenfalls die zehn Kilometer. Kionka wurde jedoch vor einigen Wochen von einem Auto angefahren und konnte aufgrund dessen noch keine Bestleistung abliefern.
Neben den Läuferinnen und Läufern zogen auch die Verantwortlichen ein positives Fazit. „Natürlich sind wir sehr stolz auf das sehr gute Starterfeld in diesem Jahr. Trotz der Absage Soufis hatten wir einen Spitzenläufer aus Afrika im Starterfeld", betonte Jochen von Glahn, erster Vorsitzender der Laufsportfreunde Bönen.
Insgesamt gingen 464 Läufer und 69 Walker an den Start. Alle Teilnehmer erreichten verletzungsfrei das Ziel. Bei der abschließenden Siegerehrung versetzte Spitzenläufer Taye die anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer erneut in Staunen. Nach der Siegerehrung stand für ihn schon die nächste Trainingseinheit über eine Stunde auf dem Programm.
Stimmen
Sven Serke (Lauffreunde Bönen): „Nach dem Zieleinlauf war ich erst einmal froh, dass meine Knochen gehalten haben. Derzeit bin ich nicht in Bestform. Ich habe versucht, mich an Andi Beulertz zu hängen, das hat jedoch nicht geklappt. So bin ich fast ausschließlich alleine unterwegs gewesen, dadurch ist man dem Wind auf der Strecke natürlich voll ausgesetzt."
Andreas Beulertz (LG Hamm): „Derzeit bin ich in guter Form. Die hügelige Strecke und der Gegenwind stellen natürlich Herausforderungen für uns Läufer dar, für Spitzenzeiten waren es nicht die besten Bedingungen. Dennoch bin ich mit meiner gezeigten Leistung zufrieden. Auf der Strecke muss ich mich mit meiner Zeit keinesfalls verstecken."
Steffi Rötger (Bochum): „Durch meinen kleinen Sohn bin ich zum regelmäßigen Laufen gekommen. Wegen ihm muss ich in der Nacht oft aufstehen und schlafe daher nicht sonderlich lang. Wenn ich dann nicht schlafen kann, schnüre ich gerne die Laufschuhe und geh mit Grubenlampe auf dem Kopf frühmorgens laufen. Die schwere Strecke in Flierich mag ich sehr gerne. Im Gegensatz zu den Anderen macht mir eher die Kälte zu schaffen."
Martin Schulte (Rote Kreuz): „Nach einer Woche Skiurlaub waren die zehn Kilometer doch sehr anstrengend für mich. Das fehlende Training macht sich dann natürlich bemerkbar."
Horst Brandt (Lauftreff Holzwickede): „Die gute Organisation und meine Freunde treiben mich hierher. Auch der Lauf in diesem Jahr hat mir wieder viel Spaß gemacht."
Roland Steinmetz (Bochum): „Der vierte, der ja eigentlich der dritte Platz ist, ist für mich in Ordnung. Ich habe vielleicht auch zuviel gemacht diese Woche. In Bönen war ich um zwei Minuten langsamer als noch beim Silvesterlauf in Herne.
Drei Fragen an Marit Bergmann
Marit Bergmann ist eine der Nachwuchshoffnungen des Lauf Team Unna. Unsere Sportredaktion sprach mit ihr nach ihrem Zieleinlauf bei der 27. Auflage „Rund um Flierich".
Sportredaktion: "Marit, Sie sind mit 41:10 Minuten Zweite in der weiblichen Hauptklasse geworden. Sind Sie zufrieden mit diesem Ergebnis?"
Marit Bergmann: „Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden. Ich hatte mir vorgenommen, unter 42 Minuten zu bleiben und damit eine neue persönliche Bestzeit auf dieser Strecke aufzustellen. Dass ich meine Altersklasse nicht gewonnen habe, macht mir nicht so viel aus.!"
"Sie sind bereits mehrmals bei „Rund um Flierich" gestartet. Was sind die Besonderheiten der Strecke?"
"Die Steigung nach ungefähr der Hälfte der Distanz ist natürlich eines der Markenzeichen des Laufes. Persönliche Bestzeiten kann man hier nicht aufstellen, dafür ist die Strecke einfach zu anspruchsvoll. Auch der Wind spielt hier eine große Rolle. Ich musste leider meistens allein laufen. In der Gruppe wäre es schon einfacher gewesen, da man dort nicht so anfällig für den Gegenwind ist."
"Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele, welcher Lauf steht als nächstes auf dem Programm?"
"Bald geht die Hammer Serie los, dort werde ich auf jeden Fall an den Start gehen. Des Weiteren will ich noch ein bis zwei Halbmarathons in diesem Jahr absolvieren. Einen kompletten Marathon wie im letzten Jahr in Dresden werde ich 2012 aber nicht bestreiten."
Hellweger Anzeiger vom 9. Januar 2012
Taye Damte Kuashu pulverisiert alte BestzeitLäufer aus Äthiopien siegt bei "Rund um Flierich"Roland Steinmetz und Sven Serke hießen die Sieger in den vergangenen sechs Jahren beim Volkslauf „Rund um Flierich" über zehn Kilometer. Gestern lief der Äthiopier Taye Damte Kuashu allen Konkurrenten auf und davon und siegte mit neuem Streckenrekord. Nach 29:35 Minuten stoppten für den Mann aus Ostafrika die Uhren. Damit pulverisierte er den bestehenden Streckenrekord von Malcolm Edwards (MC Menden) um 43 Sekunden. Verdienter Lohn: 100 Euro für die neue Bestzeit und 75 Euro für den ersten Platz.
Den zweiten Platz sicherte sich Andreas Beulertz (LG Hamm) in 33:48 Minuten. Vorjahressieger und Lokalmatador Sven Serke schaffte in 34:27 Minuten noch den Sprung auf das Treppchen.
Seriensieger Roland Steinmetz aus Bochum musste sich mir Rang vier und einer Zeit von 35:08 Minuten begnügen. „Wie die Zeit vergeht. Inzwischen sind die anderen alle schneller als ich", meinte Steinmetz, der den Lauf zwischen 2003 und 2009 dominierte und sechs Mal gewann. Im Vorjahr fehlte er wegen einer Grippe. Auch Sven Serke ist nach einem „Seuchenjahr" auf der Suche nach seiner Form. „Ich hatte mir eine 33:30 vorgenommen. Bei Kilometer acht wollte ich dann aber nur noch den dritten Platz halten. Hinten raus fehlt's mir", sagte Serke. Bei der Hammer Serie will er diesmal nicht antreten, dafür beim Indoor-Trail in Dortmund teilnehmen.
Andreas Beulertz erkannte die Dominanz von Taye Damte Kuashu neidlos an: „Er läuft einfach in einer anderen Liga. Ich konnte vom Start weg nicht folgen, bin dann mein eigenes Tempo gelaufen." Der zuvor hochgewettete Rachid Soufi (Marokko) fehlte trotz Voranmeldung aus unbekannten Gründen beim Startschuss.
Bei den Frauen siegte Steffi Rötger aus Bochum in 37:54 Minuten. Vorjahressiegerin Melanie Kionka war zwar am Start, brach den Lauf aber ab. Sie war als Fahrradfahrerin nach einem Unfall mit einem Pkw stark gehandicapt. An ihre guten Leistungen aus 2011 knüpfte Marit Bergmann (LT Unna) an. Sie belegte in 41:10 Minuten den dritten Rang. „Ich bin zufrieden", meinte Bergmann.
Allen 584 Teilnehmern machte der starke Wind auf der ungeschützten Strecke schwer zu schaffen.
Erste „Runde für von Glahn
Im Vorjahr erkrankt, durfte Jochen von Glahn, Vorsitzender der Lauffreunde Bönen, diesmal erstmals beim Lauf „Rund um Flierich" den Startschuss abgeben. „Das ist fast so aufregend wie selbst zu laufen", gestand er. Zur Bestzeit des Siegers meinte Jochen von Glahn: „Einfach nur sensationell." Übrigens: Sein Vorgänger, Dieter Maletz, grüßte die Läuferfamilie aus Ungarn. Dort lebt der ehemalige Vorsitzende inzwischen.
584 Starter in Flierich
In den vergangenen beiden Jahren machten Schnee und Eis den Bönener Volkslauf einen Strich durch die Rechnung. Während 2011 insgesamt 463 Teilnehmer dabei waren, gingen diesmal 584 Läufer und Walker an den Start. Der große Andrang sorgte für ein Park-Chaos auf der Ermelingstraße. Dort stellten die Aktiven ihre Autos auf beiden Seiten des schmalen Weges ab, sodass die Streckenaufsicht nicht durch kam.
Afrikaner in Europa auf PrämienjagdTaye Damte Kuashu seit Silvester in Deutschland
Am 31. Dezember 2011 landete Taye Damte Kusahu in Frankfurt. Direkt vom Flughafen ging es nach Trier, wo der 24-Jährige aus Äthiopien beim Silvesterlauf den vierten Rang hinter drei seiner Landsleuten belegte.
Trainer und Manager Brahim Chalgoum, selbst Top-Läufer aus Marokko, lotste den Ostafrikaner, der nun für die Laufgemeinschaft Laacher See startet, in seine Heimat Mendig nach Rheinland-Pfalz. Den Lauf „Rund um Flierich" ordnete der Trainer als gutes, hartes Training ein. Denn in den nächsten Wochen stehen für Taye Damte Kuashu Crossläufe in Belgien und Luxemburg auf dem Programm.
„Das ist harte Arbeit für ihn. Er befindet sich auf Prämienjagd in Europa", erklärte Brahim Chalgoum. Mitte Februar wird der Äthiopier dann wieder in seine Heimat zurückkehren. „Wenn dann die Straßenläufe mit Top-Besetzung anstehen, kommt er wieder zu mir", sagt Chalgoum. Mit einer Bestzeit von 28:01 Minuten über zehn Kilometer und 1:01:55 Stunden auf der Halbmarathon-Dis-tanz werde sein Schützlinge oftmals vorne mitmischen.
Beim 27. Lauf „Rund um Flierich" stand er eigentlich schon vor dem Startschuss als Sieger fest. Die spannende Frage war schließlich nur, ob er auch die bestehende Bestzeit knacken wird. Danach sah es zunächst nicht aus, doch auf den letzten 500 Metern zog der Äthiopier in unnachahmlicher Art das Tempo an und unterbot den Rekord locker. „Kalt und windig war's", so sein Kommentar im Ziel.
Westfälischer Anzeiger vom 10. Januar 2012
Bestzeit für die EwigkeitÄthiopier Taye Klasse für sich - Starterzahl stark gestiegen
Einen solch illustren Sieger hatte der Volks- und Straßenlauf „Rund um Flierich“ in seinen 27 Jahren noch nicht. Der äthiopische Profi Damte Kaushu Taye kam als Nachmelder, brach den 22 Jahre alten Streckenrekord – und fuhr nach der Siegerehrung zurück in sein Winterquartier in Rheinland-Pfalz, um eine Trainingseinheit nachzuschieben.
Zwei Jahre alt war Taye, als Malcolm Edwards im Trikot des Marathon-Clubs Menden im Januar 1990 den bis Sonntagfrüh geltenden Streckenrekord von 30:18 Minuten aufstellte. Nach dem Startschuss – dem ersten für den Lauffreunde-Vorsitzenden Jochen von Glahn – dauerte es exakt 29:35 Minuten, bis diese Bestzeit Geschichte war. Die in diesem Jahr gute Konkurrenz mit Andreas Beulertz (LG Hamm), Sven Serke (Lauffreunde) und Roland Steinmetz (Witten) hatte das Nachsehen. „Selbst als Profi, der sich nur auf den Sport konzentrieren kann, würde ich an eine solche Zeit nicht herankommen“, sagte Serke.
Erst am Samstag hatte Tayes Trainer und Manager Brahim Chalgoum, einst mehrfacher marokkanischer Landesmeister, bei der Lauffreunde-Geschäftsführerin Manuela Maletz angerufen und freundlich gefragt, ob es für seinen Athleten einen Fahrtkosten-Zuschuss gebe. Der Klub sagte Nein. Am nächsten Morgen stand Chalgoum dennoch vor der Meldestelle, während sich Taye warm machte.
So schnell, wie er lief, war er nach der von Dorothea und Dirk Pfeffer souverän durchgeführten Siegerehrung auch wieder weg. Sein Rekord wird bleiben, auch wenn Taye selbst nicht wiederkommt. „Wir gehen nicht davon aus, dass er im nächsten Jahr hier startet“, sagte Lauffreunde-Laufwart Jürgen Korvin. Vielleicht ist das auch gut so, denn sonst müsste der Verein vielleicht die nächsten 100 Euro Rekord-Prämie zahlen.
Für die Lauffreunde war die 27. Auflage ihres Laufs eine erfreuliche. Zwar war es nach Jahren trockener Kälte zum ersten Mal ungemütlich nass am Wettkampftag, doch die Organisation klappte bis auf Kleinigkeiten wie den zugeparkten Breddeweg gut, und die Teilnehmerzahl von 584 (davon 69 Walker) war die höchste seit 2008 (747). Sie war nicht so groß wie zu Hochzeiten Mitte des vergangenen Jahrzehnts, doch ein Rennen mit knapp 900 Aktiven, wie im Jahr 2004, sind ohnehin nicht das Ziel der Lauffreunde. „600 ist aus Organisationssicht eine gute Größe“, so Korvin.
Einem, dem die Lauffreunde sehr am Herzen liegen, fehlte am Sonntag: Dieter Maletz. Der Gründungs- und Ehrenvorsitzende ließ über verschiedene Kanäle aber Grüße und beste Wünsche aus seiner Wahlheimat Ungarn übermitteln. Er verpasste neben Tayes Auftritt auch vordere Platzierungen einiger Lauffreunde. Neben dem Gesamtdritten Serke, der mit 34:27 Minuten auf Platz 1 der M 35 lief, holte sich auch Katrin Walter in 47:01 Min. den ersten Rang in der dünn besetzten W 30. Ulf Kasischke wurde Zweiter der M 70 (48:59 Min.). Dritte Plätze holten Silke Kluge in der W 40 (48:06 Min.) und Bastian Sommer in der U 20 (44:19 Min.). Zweitschnellster Lauffreunde-Starter war Ingo Hanke als Gesamt-Zwölfter. Der letztjährige Neuzugang aus Lünen schaffte die hügelige und windanfällige Zehn-Kilometer-Strecke in 38:02 Min.
Im kommenden Jahr findet der Lauf am 13. Januar statt. Dafür hatten die ersten bereits am Montag gemeldet. Es wird noch einmal ein echtes „Rund um Flierich“ sein. Ob der Lauf mittel- und langfristig in Flierich bleibt, hängt vom Fortbestand der Ermelingschule ab, die das logistische Zentrum für „Rund um Flierich“ ist. „Wir planen von Jahr zu Jahr. Wir halten der Schule die Treue. Für uns ist sie die beste Lösung“, sagt Korvin. Allerdings halten die Lauffreunde für den Tag X Ausschau nach Alternativen. „Wenn die Schule geschlossen wird, werden wir wohl in Richtung Zechenturm ziehen“, so Korvin. |